Freitag, 5. April 2019
Alles beim Alten - Stillstand
Sich wehren hilft nichts, all die Kraft mit der ich versucht habe, Grenzen von mir weg zu schieben, Platz um mich rum, für mich, zu schaffen, hat nicht funktioniert. Alles ist beim Alten geblieben. Ich stecke in der selben Situation fest, die für mich unerträglich war. Irgendwo ist sie das auch noch, doch ich habe angefangen mit dieser inneren Unerträglichkeit zu leben, den Lauf, den mein Leben nimmt, anzunehmen. Nicht mehr zu versuchen es zu meinem Leben zu machen, es ist nun ein Leben. Und das muss reichen.

Die Wahl zu haben, das Leben, was man leben möchte, zu leben, oder die Person, die man liebt, aufzugeben, ist nunmal nicht fair. Und ich kann mich für keines von beidem entscheiden. Also befindet sich nun alles in Schwebe, das Lügengerüst, an dem ich mein Ich konstruiert habe, hält noch, lässt mich das Vorzeigeleben führen, das meine Eltern immer noch stolz machen sollte. In wenigen Tagen bin ich nun offiziell Frau B.Ed., in ein bis zwei Jahren dann Frau M.Ed. Ich arbeite nun Teilzeit, genug um mir ein Leben leisten zu können, das nicht von der von der Gesellschaft erwünschten Laufbahn bestimmt ist. Ich müsste auch nicht hier bleiben.

Hauptsache Frau B.Ed. Dazugelernt: nichts. Schlauer als vorher? Wohl eher dümmer. Es ist als würde mir alles, was sich vor meinem Fenster abspielt, durch die Finger gleiten. Vielleicht interessiert es mich morgen, oder übermorgen. Erst mal ausruhen. Von der Anstrengung ein Leben zu führen, das man nicht haben mag. Aber Frau B.Ed. macht das schon, sucht sich bald einen besser bezahlten Job, die ersten eigens bezahlten 4-Wände, vielleicht auch den perfekten Mann dafür, der die 10-Jahres-Checkliste auf dem Nachtkästchen liegen hat.

Das neue Leben wäre nur alleine möglich, und das will ich nicht. Obwohl: alleine bin ich ja jetzt schon. Die Familie glaubt bis heute, dass ich jetzt in einem anderen Bundesland wohne, mehr einem Tagesausflug gleicht. Die Hälfte hat es bis heute nicht geschafft mich zu besuchen, nach 5 Jahren immer noch zu beschäftigt. Aber ich komme ja eh heim, ich bin ja die, die weggegangen ist - also ist es ja meine Schuld. Und das lässt man mich auch spüren, aber natürlich man ist auch stolz auf mich: weil ich den Weg gegangen bin, der mir angeblich vorgezeichnet ist. Ob ich damit glücklich bin, interessiert niemandem. Hauptsache man hat was zum Vorzeigen, hauptsache man wird nicht Verlierer, besser als die ehemaligen Klassenkammeraden, oder mindestens gleich gut.

Aber klar, es bleibt meine Entscheidung, meine Unfähigkeit überhaupt eine zu treffen. Meine Unfähigkeit, meiner Familie nun endlich klar zu machen, dass es mir wichtig wäre, wenn sie mich unterstützen würden. In den letzten 5 Jahren habe ich Arztpraxen und Krankenhäuser öfter besucht als Museen, Kinos, Restaurants, etc. Oder dass es mir etwas bedeuten würde, wenn sie sich für etwas interessieren würden, in das ich viel Anstrengung gesteckt habe, abseits der Uni. Denn Frau B.Ed. hat natürlich, vorbildlich wie sie ist, viele Zusatzausbildungen gemacht, und Hobbys, die sich gut in Bewerbungen machen.

Aber es bleibt alles beim Alten. Das CV wurde aufpoliert, die Stimmung zeigt sich davon unbeeindruckt.

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